Was ist der Pearl Index?

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Kaum jemand beschäftigt sich mit dem Thema Verhütung, ohne vom Pearl Index zu hören. Wir erklären euch, was der Pearl Index ist, wie der Wert berechnet wird und wofür er kritisiert wird.

Was ist der Pearl Index?

Der Pearl Index wird seit vielen Jahrzehnten als Standard verwendet, um die Sicherheit einer Verhütungsmethode anzugeben.

Der Wert gibt an, wie hoch der Anteil von Frauen ist, die trotz Verwendung einer bestimmten Verhütungsmethode schwanger werden.¹ Er ist nützlich, um die Sicherheit verschiedener Methoden zu vergleichen.

Wie wird der Pearl Index errechnet?

Um den Pearl Index einer Verhütungsmethode zu errechnen, ermittelt man die Versagerquote auf 100 Frauenjahre. Das heißt, wir beantworten die Frage: Wie viele von 100 Frauen, die ein Jahr lang mit einer Methode verhüten, werden trotzdem schwanger?

Das Kondom hat beispielsweise einen Pearl Index von 2-12. Das bedeutet, dass 2-12 von 100 Frauen, die ein Jahr lang mit Kondomen verhüten, trotzdem schwanger werden.

Die Kupferspirale hat einen Pearl Index von 0,3-0,8. Das bedeutet, dass 0,3-0,8 von 100 Frauen, die ein Jahr lang mit der Kupferspirale verhüten, trotzdem schwanger werden.

Jetzt fragst du dich, was eine 0,3 Frau ist? Aus diesem Grund rechnen wir die Angaben zur Sicherheit für myuterus auf 1.000 Frauen um. Anders ausgedrückt heißt das, dass 3-8 von 1.000 Frauen, die ein Jahr lang mit der Kupferspirale verhüten, trotzdem schwanger werden.

Warum ist der Wert praktisch?

Der Wert ist insofern praktisch, dass er es einfacher macht, die Sicherheit verschiedener Verhütungsmittel zu vergleichen. Er bricht die Sicherheit einer Verhütung sehr vereinfacht auf eine einzige Zahl herunter.

Warum ist der Pearl Index ungenau?

Gerade weil der Pearl Index die Sicherheit so vereinfacht auf einen Wert herunterbricht, wird er heute in der Wissenschaft kaum noch verwendet.

Der Grund ist, dass es keine klaren Bedingungen für die Ermittlung des Wertes gibt. Studien können dazu Frauengruppen beobachten – wie groß diese sein müssen, ist jedoch nicht festgelegt. Auch andere relevante Daten, z.B. das Alter der Frauen, wie oft sie Sex haben und wie korrekt sie die Methode anwenden, spielen für die Berechnung keine Rolle.²

Studien von Herstellern geben oftmals den Pearl Index an, der sich auf die Verhütungssicherheit bei perfekter Anwendung bezieht. Andere Angaben beziehen sich auf die typische Anwendung, die auch Anwendungsfehler miteinbezieht.³

Die Angabe des Pearl Index als Sicherheit eines Verhütungsmittels ist daher nicht nur unpräzise, sondern kann auch bewusst in eine bestimmte Richtung gerechnet werden, indem bestimmte Studien verwendet oder nicht verwendet werden.

Welcher Wert zeigt die tatsächliche Sicherheit einer Verhütungsmethode?

Um eine möglichst transparente Angabe zur Sicherheit von Verhütungsmitteln zu machen, werden heute in der Regel zwei Werte verwendet: Die Methodensicherheit und die Anwendersicherheit.

Die Methodensicherheit steht für die Verhütungssicherheit bei absolut korrekter Anwendung der Methode ohne Störeinflüsse.

Die Anwendersicherheit steht für die typische Anwendung im Alltag. Dort, wo im Stress auch mal eine Pille vergessen wird, ein Diaphragma zu früh rausgenommen wird oder es schon zu heiß hergeht, um noch an ein Kondom zu denken.

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¹ Dr. med. Dorothee Struck (2015): Verhüten ohne Hormone
² Dr. med. Dorothee Struck (2015): Verhüten ohne Hormone
³ ProFamilia (2021): Pearl-Index. https://www.profamilia.de/themen/verhuetung/pearl-index (Abgerufen am 13.08.21)