#MyStory Lena und die Hormonspirale

Die richtige Verhütung bedeutet für jeden Menschen etwas anderes. In unserer Serie #MyStory nehmen uns wunderbare Frauen aus unserer Instagram-Community mit auf ihren Weg zum passenden Verhütungsmittel. In dieser Ausgabe erzählt Lena* ihre berührende Geschichte. Sie litt stark unter den psychischen Nebenwirkungen, die die Hormonspirale bei ihr verursachte.

Ich habe 10 Jahre lang mit der Pille verhütet. Dann habe ich mich von meinem Freund getrennt und sie abgesetzt.

Auf der Suche nach einer Alternative ohne Hormone riet mir meine Frauenärztin zu einer Hormonspirale. Rückblickend weiß ich, dass die Hormonspirale sehr wohl eine hormonelle Verhütung ist, aber damals sagte ich “Ja” und ließ mir die Jaydess einsetzen.

Schon nach wenigen Tagen merkte ich, dass ich mich anders fühle. Ich war launisch, aggressiv, gereizt. Bei den kleinsten Kleinigkeiten oder manchmal ganz ohne Anlass blaffte ich meinen Freund an, suchte Streit und ein Ventil für meine Aggression. Meine Gynäkologin sagte mir am Telefon, diese Erscheinungen nach der Umstellung seien normal und würden bald vergehen.

Sie vergingen tatsächlich und was danach kam, war noch schlimmer.

Mein Körper veränderte sich, meine Brüste wurden größer. Zwei Körbchengrößen mehr und jede Bewegung und Berührung tat weh. Laufen gehen? Nur noch mit zwei Sport-BHs übereinander. Ich hatte immer öfter Unterleibsschmerzen, bekam mehrere Zysten in den Eierstöcken. All das störte mich, war aber nicht das Schlimmste.

Während diese Veränderungen offensichtlich waren, passierte noch etwas anderes, das ich nicht sofort bemerkte. Ich wurde ängstlich und ich wurde traurig.

Ich wachte jede Nacht mehrmals auf, schwitzend und mit Panik vor dem nächsten Tag. Naja, es war eben eine stressige Phase im Job, dachte ich mir. Nach einem wichtigen Gespräch auf der Arbeit hatte ich die erste Panikattacke meines Lebens. Ich werde das Gefühl nie vergessen, am Tisch im warmen Büro zu sitzen und trotzdem am ganzen Körper zu zittern.

Ich entwickelte eine irrationale Angst vor dem Autofahren. Ich fuhr immer seltener und wenn es sich nicht vermeiden ließ, war ich nach der Fahrt völlig fertig und saß zitternd im Auto. Eigentlich bin ich immer total gerne Auto gefahren, aber ich erklärte mir die ungewohnte Angst mit dem stressigen Großstadtverkehr.

Gleichzeitig wurde mir alles egal.

An Momenten, die ich früher genossen hatte – freie Tage mit meinem Freund, Urlaub, Sonnenschein – konnte ich jetzt nichts mehr Schönes erkennen. Ich hatte oft das Gefühl, alles ist egal. Als ich nur noch unzufrieden war und keinen Ausweg mehr wusste, kündigte ich meinen Job. Doch im neuen Job, auf den ich mich so gefreut hatte, ging es genauso weiter.

Ich lag nächtelang wach und googelte verzweifelt nach Hilfe oder einer Lösung. In einem Forum wurde ich auf den Zusammenhang zwischen hormoneller Verhütung und der Psyche aufmerksam. Depressive Verstimmungen, Angststörungen, Panikattacken – all das gehörte zu den Nebenwirkungen meiner Hormonspirale.

Konnte es wirklich die Spirale sein, die so schleichend einen Schleier über mich gelegt hatte?

Ich wollte sie nicht leichtfertig entfernen lassen, immerhin hatte sie mehrere hundert Euro gekostet.

Erst als ich irgendwo gelesen habe, dass jede zweite Frau die Spirale vor Ende der vollen 3 Jahre ziehen lässt, habe ich mich bestärkt gefühlt, dass ich nicht die einzige mit so starken Nebenwirkungen sein kann. Ich wusste: Die Spirale muss raus.

Meine Gynäkologin hatte all die Monate nur gesagt hatte, ich brauche eben noch etwas Zeit, um mich an die Spirale zu gewöhnen. Als ich sie ziehen ließ, sagte sie: “Tja, manche Frauen vertragen sie eben einfach nicht.”

Nach dem Ziehen war ich unendlich erleichtert. Ich erwartete ab dem nächsten Tag wieder mein altes Leben zurück.

Aber die Realität sah anders aus. Die körperlichen Beschwerden vergingen schnell, aber es hat Monate gedauert bis ich mich wieder wie ich selbst gefühlt habe. Erst fast ein ganzes Jahr später hatte ich das Gefühl, mein Körper hat sich wieder eingependelt. Ich fühle wieder intensiver und kann das Leben genießen.

Heute verhüte ich ohne Hormone.

Meinen Körper jeden Tag zu beobachten und zu lernen, was seine Signale bedeuten, hat mich ihm viel näher gebracht und mir ein Stück weit dabei geholfen, mich wiederzufinden. Ich mache NFP und an fruchtbaren Tagen verhüten mein Freund und ich zusätzlich mit Rausziehen. Ich weiß, das ist nicht die sicherste Methode der Welt, aber für uns funktioniert sie gut. Würde ich doch schwanger wären, wäre es kein Weltuntergang – das muss man sicher auch dazusagen.

Beim Gedanken daran, nochmal mit Hormonen zu verhüten, bekomme ich Gänsehaut. Auch wenn die Verhütung mit Pille und Hormonspirale praktisch war, würde ich das Gefühl, ich selbst in meinem Kopf zu sein, nie wieder dagegen eintauschen.

*Name von der Redaktion geändert

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